1985

Gerardo und seine Frau Eva erkunden auf eigene Faust das Stiefelland Italien und nehmen zusätzlich an verschiedenen Fahrten organisiert durch die Italienische Handelskammer sowie das Italienische Institut für Aussenhandel teil. In einer Zeit, in welcher Weinführer noch keine Bedeutung hatten, erkunden die zwei jungen Geschäftsleute Italien und importieren über den Speditionsweg zahlreiche Weine und Lebensmittel die bis dato in Deutschland noch nicht am Markt erhältlich waren.

(historischer Pressetext anbei)

Wer hat es während eines Urlaubes im Süden nicht schon festgestellt, daß sich das wirkliche Erleben von Land und Leuten und vor allem der Küche nicht am Strand oder in den Touristenzentren abspielt, sondern meist etwas abseits. Oft sind es nur wenige Minuten Weg, und schon steht man fernab vom Rummel des Fremdenverkehrs und entdeckt dann Dinge, von denen man bis dahin geglaubt hatte, sie seien nicht einmal in ganz großer Entfernung ausfindig zu machen.

Diese Philosophie scheint sich auch der „Padrone“ vom „Italienischen Wein-Depot“ zu eigen gemacht zu haben. Es ist hierbei nicht nur so, daß aus der Firmierung seines Unternehmens der Umfang der angebotenen Waren nicht annähernd zu erkennen ist, nein, auch der Standort seines Geschäftes stellt eine echte Überraschung dar. Es handelt sich um ein unscheinbares, älteres Gebäude, in einem Hinterhof der Hauptstraße 56 in Partenkirchen, zu dem man nur dann hinfindet, wenn man auch wirklich dorthin will … ansonsten übersieht man besagtes Geschäft völlig.

Allem Anschein nach finden sich dort regelmäßig italophile und italienkundige Einwohner des Werdenfelser Landes ein, um an den Segnungen der südlichen Sonne teilzuhaben. Anders ist das umfangreiche Sortiment aus fast allen Regionen Italiens und der nicht zu unterschätzende Absatz an italienischen Spezialitäten und Wein nicht zu erklären.

Ich erkundige mich: “ C’è una specialità della Casa?“. Man erklärt mir daraufhin  – natürlich in deutscher Sprache – daß jede der über 200 Sorten Wein, Käse, Schinken, Teigwaren usw., – genau genommen – die jeweilige Spezialität einer ganz bestimmten italienischen Region darstellt; die eigentliche Spezialität des Hauses sei nicht „einfach ein Produkt zu führen“, wie z.B. Parmesan-Käse, sondern den echten „Parmigiano-Reggiano“. 

Auf meine Frage nach einem Wein aus Orvieto in Umbrien erfahre ich dann auch, daß nur die wenigsten Anbieter einen echten „Orvieto“ aus der Kernzone liefern und dieser Wein nicht mit jenen verwechselt werden darf, die fünf  Regionen weiter nördlich immer noch als „Orvieto“ abgefüllt werden. So war es mir vergönnt, fast 600 kam von Orvieto entfernt, einen echten „Orvieto“ zu entdecken, ein Wein der für mich eine völlig neue Dimension im Geschmack besitzt.

Es gäbe noch viel zu erzählen über das „Ital. Wein-Depot“ im Hinterhof der Hauptstraße 56 in Partenkirchen, doch die für diese Reportage vorgesehenen Zeilen gehen zu Ende; vielleicht besuchen Sie gelegentlich mal selbst besagtes  Depot.